Diese Seite soll eine Erinnerung an meinen am 16.11.05 verstorbenen Ara "Freddy" sein.

Es ist schon einige Jahre her als er zu mir kam.

Damals als "Scheidungswaise", es war eine Aktion bei Nacht und Nebel, der Halter drehte etwas durch und ein befreundeter Polizist bat um Aufnahme des Vogels. Also fuhren wir hin und holten Freddy ab.

Er war in einem Zimmer in einer prächtigen aber für ihn völlig ungeeigneten selbstgebauten Voliere untergebracht. Eine Grundfläche von einem Quadratmeter ist einfach zu klein. Die Voliere nahmen wir vorläufig mit damit er seine gewohnte Umgebung soweit als möglich hatte.


Eigentlich wollten wir da schon mit anderen kleineren Papageien und Sittichen eigentlich voll belegt ihn nicht behalten sondern vermitteln. Jedoch daraus wurde nichts, er nahm die ersten drei Tage kein Futter zu sich und so war es die erste Sorge um ihn.

Diese Sorge ließ ihn mir sehr ans Herz wachsen und er blieb da.

Die erste richtige Reaktion von ihm war daß er mir sehr gründlich in den Finger biß. Das war so fest daß ich Angst um den Finger hatte, er hätte ihn mir glatt abbeißen können.
Da er mit dem Schnabel meinen Finger umfaßt hatte blieb ich unverletzt. Er hatte wohl aus Angst zugebissen, später tat er es nie mehr so fest, nur wenn er mal sauer war spürte ich es schon in unsanfter Weise.
Er griff dann auch mit den Krallen fest zu was regelmäßig zu kleinen punktförmigen Löchern in der Hand oder der Schulter führte. Aber daran gewöhnt man sich auch mit der Zeit.

Nachdem nun der Vogelbestand um so einen großen Vogel angewachsen war wurde überlegt wie man die alle in der für sie am besten geeigneten Form unterbringen könnte. Die großen Wohnräume waren zu eng geworden.

In ein anderes Zimmer sollten sie nicht da sie alle zur Familie gehörten und gehören. Zudem wäre das Zimmer auf einer anderen Etage gewesen und die Vögel vom Rest der Familie getrennt.
Also wurde ein Wintergarten geplant und errichtet. Groß und hell und sonnig. Beheizbar und auch soweit mit Läden abzuschotten daß er wie ein normaler Raum wirkte.

Doch eingezogen dort ist keiner der Vögel.

Die Umstände brachten es mit sich daß das Haus mit allem drum und dran verkauft werden mußte bevor der Wintergarten wirklich seine vorgesehene Funktion erfüllen konnte. Ich suchte ein neues Heim für mich und fand es in Form eines älteren Hauses welches ich kaufte. Dort gab es für die Vögel ein Zimmer, eigentlich für sie, da das Haus jedoch nicht allzu groß war mußte der Schreibtisch auch mit rein.

 

Das vorhandene Fenster ersetzte ich durch eine Balkontür und baute außen eine kleine Voliere von 2 mal 3 Metern an. Nun konnten meine Vögel auch mal an die frische Luft wenn das Wetter es erlaubte. Das Foto hier wurde in dieser Voliere gemacht.
 


Ich hatte bei der Renovierung des Vogelzimmers einen kleinen Fehler gemacht,ich hatte tapeziert. Ein willkommener Anlaß für die Vögel die Tapeten in mühsamer Kleinarbeit in winzigen Fetzen wieder von der Wand zu reißen. Freddy hatte es zudem auf die Tür abgesehen auf welcher er gerne und oft saß. Mit der Zeit bekam die Tür an der vorderen Kante eine etwas eigenwillige Form, er mochte wohl nichts eckiges, es mußte abgerundet sein.



In dieser Zeit freundete er sich mit Louise, meinem Kakadu, an. Die beiden bildeten eine sehr enge Gemeinschaft, sie waren immer und überall zusammen, vor allem wenn es darum ging Unsinn zu machen. Spielen in einem (sauberen) Abfalleimer war für beide eine reine Freude. Allerdings hielt der Abfalleimer dem Schnabel von Freddy nicht lange stand.

 


Auch ein Sack war ein interessantes Spielzeug, was man damit alles anstellen konnte.

 



Ebenso waren Kartons eine beliebte Sache, die zu zerschreddern konnte Freddy schon mal einige Tage beschäftigen.

 


Daß es dabei in meinem Haushalt nicht immer sehr ordentlich ausschaute kann man sich vorstellen. Aber das kennt sicher jeder der Vögel hat und ihnen auch etwas Freiraum zur Beschäftigung gewährt, man kann ja wieder aufräumen, also was solls.

Eines schönen Tages war Freddy seltsam drauf, wühlte am Boden rum und benahm sich merkwürdig. Des Rätsels Lösung war daß Freddy eigentlich ein Mädchen war und ein Ei legte. Es war rührend zuzuschauen wie gebrütet wurde. Entstehen konnte daraus nichts, jedoch das mütterliche Gehabe zu erleben war etwas sehr schönes. Auf dem Foto erkenne ich heute noch deutlich die Freude die er (sie) hatte.
 

Den Namen von Freddy, den hatte er (sie) von vorigen Halter, habe ich nicht geändert. Sie war halt von da an mein kleines blaues Mädchen.

So verging die Zeit bis wieder andere Umstände es erforderlich machten nochmals umzuziehen.
Diesmal war mein Haus dem Bergbau zum Opfer gefallen, auf Dauer nicht zu halten, ein Totalschaden.

Die Abfindung der Bergbaugesellschaft machte es möglich nach einem anderen Eigenheim zu suchen. Dieses fand ich als ehemaliges Wochenendhaus abgelegen in ländlicher Umgebung außerhalb jeder Ortschaft.


Vor allem gefiel mir daß ich Vogelzimmer,  Außenvoliere,Wohnzimmer und Küche nebeneinander habe und somit ein freier Flug der Vögel von ca. 12 Meter möglich ist.
Damit konnte Freddy erstmals ein wenig seine wunderbaren Flugkünste üben. Mit lautem Flügelrauschen hat er das auch gerne getan.
Sogar durch eine normale Tür welche eigentlich zu schmal für seine Spannweite ist flog er durch.

Daß er auch hier viel Unsinn anstellte ist klar. Seine "größte Tat" war es den Elektroherd anzuschalten und ein Küchenhandtuch anzukokeln. Das hätte ins Auge gehen können.

Ansonsten räumte er gerne das Besteck auf und öffnete die Schubladen um endlich mal Ordnung zu schaffen.
Er saß viel bei mir wenn ich am PC saß, lief über die Tasten und hat den Rechner zu Dingen getrieben von denen ich gar nicht wußte daß so was geht.
Auch mal das Scannerkabel durchtrennen war drin, ich suchte mir einen Wolf warum das Teil nicht mehr funktionierte.

Aber das hielt nur noch ein Jahr an, Freddy wurde krank.

Es begann mit unverdautem Futter im Kot. Dazu kam dann würgen und erbrechen.
Natürlich fuhr ich mit Freddy gleich zum Tierarzt um die Sache untersuchen zu lassen. Erst machte ich mir wenig Sorgen, dachte an eine Kropfentzündung oder ähnliches.
Es wurde beim Tierarzt ein Kropf- und Kloakenabstrich vorgenommen und ins Labor geschickt. Ergebnis war eine Infektion mit E-Coli-Bakterien.

Diese wurde auch behandelt und alles schien gut.

Jedoch kurze Zeit nach Abschluß der Behandlung wieder die gleichen Symptome. Wieder zum Tierarzt, diesmal waren es Staphylokokken.
Nochmals Antibiose, die Erreger waren weg.
Inzwischen konnte ich die Bakterien selber mit meinem einfachen Mikroskop erkennen und die Lage beurteilen. So sah ich nur 36 Stunden nach Beendigung der Behandlung die Erreger wieder in großer Zahl auftauchen.

Nochmals Tierarzt, diesmal wurde mit einem Reserveantibiotikum behandelt. Wieder waren die Erreger verschwunden. Jedoch eine Woche später wieder würgen und unverdautes im Kot, nochmals Staphylokokken.
Also wieder Tierarzt, aber dieser war offensichtlich mit seinem Latein am Ende und kam hilfloserweise mit irgendwelchen homöopathischen Kügelchen an.

Zu dieser Zeit fraß Freddy schon nichts mehr, ich ernährte ihn mit Babyheilnahrung in Breiform mittels Spritze.
Da wir beide, Freddy und ich,im Laufe der gemeinsamen Jahre ein sehr enges Verhältnis zueinander hatten und er (sie) mir völlig vertraute ging das problemlos.
Freddy mochte den Brei, nur manchmal zerbiß er mal eine der verwendeten Wegwerfspritzen. Aber so konnte das nicht weitergehen.
Ich schlief schon auf der Couch im Wohnzimmer damit ich nicht zu weit weg war.


So machte ich mich daran einen anderen Tierarzt in 100 Km Entfernung aufzusuchen.


Dieser machte erst mal eine wirklich gute und soweit möglich, Freddy war schon schwach und hatte Gewicht verloren, komplette Untersuchung.
Diese ergab extrem hohe Werte der Leukozyten bei der Blutuntersuchung. Auch die roten Blutkörperchen waren sehr stark vermindert, mein Vogel schon anämisch.
Es stand fest daß Freddy eine starke Entzündung im Körper haben mußte.
Natürlich wurde auch eine Laboranalyse in Auftrag gegeben.
Ich bekam wieder Antibiotikum, ein Pilzmittel und spezielles Aufzuchtfutter für Freddy. 

Das Futter mochte er aber gar nicht, also mahlte ich die ebenfalls erhaltenen Pellets zu Pulver und machte Brei draus. Ein großer Fehler.

Die Pellets hatten bei weitem nicht den Nährstoffgehalt den Freddy gebraucht hätte. Er magerte ab und war soweit daß ich große Angst um ihn hatte.
Da hatte ich eine Idee. Ich besorgte reines Eipulver welches man als Aufzuchtfutter bekommt. Damit war es dann möglich Freddy wieder etwas aufzubauen, nach zwei Wochen war es dann soweit daß wir nochmals zum Tierarzt fahren konnten.

Bei diesem Termin wurde Freddy geröntgt. Auf dem Bild war dann deutlich zu sehen daß Freddy´s Drüsenmagen stark erweitert und der Darm geschwollen war. Es war ein großer Schock als der Tierarzt sagte daß er PDD (neuropathische Drüsenmagenerweiterung) vermutet.  Ich wußte schon daß diese Krankheit immer tödlich verläuft, es keine Behandlung gibt und die Ursache weitestgehend im Dunkeln liegt.

Trotzdem gab ich die Hoffnung nicht auf. Freddy bekam ein Schmerzmittel, Antibiotikum, ein Aufbaupräparat.

Tatsächlich erholte er sich, fing wieder an selber zu fressen. Das Würgen verschwand, ebenso das unverdaute Futter im Kot. Alles war wieder ganz normal.

 Jedoch hielt das nur eine Woche an, danach kam der Absturz.

Es war schlimmer als zuvor, das Würgen war ganz fürchterlich, der Kot wurde schwarz durch verdautes Blut welches wohl aus dem Magen kam.
Das Breifutter wollte er gar nicht mehr, anscheinend verursachte es ihm Schmerzen, daher ließ ich es weg.

Ich konnte nur noch zusehen wie er von Tag zu Tag weniger wurde.

Schließlich behielt er praktisch gar kein Futter mehr bei sich. Auch hatte er zusätzlich noch Schmerzen durch das Schmerzmittel, es schien zu brennen. Also stellte ich um und gab ihm ein Schmerzmittel für Menschen, das vertrug er besser.
Daß dies nicht gerade gut und gesund sein konnte das war mir völlig klar, jedoch habe ich es bewußt so gemacht, er mußte sterben und verkehrt machen konnte ich eigentlich nichts mehr, nur noch lindern und trösten.

Nach ungefähr einer Woche, ich schlief schon seit etlichen Wochen auf der Couch mit Freddy dabei, kam der Tag des Abschieds.

Freddy war sehr schwach geworden, er war regelrecht bei lebendigem Leib schon fast verhungert. Noch nicht einmal mehr Wasser behielt er bei sich, alles kam unter schlimmem Würgen wieder raus. 

Da konnte ich sein Elend nicht mehr mit ansehen, er hatte wohl nur noch Stunden oder bestenfalls ein bis zwei Tage zu leben.

Zum Tierarzt fahren war nicht möglich, diese Quälerei eines 100Km langen Transportes konnte ich ihm nicht antun. Also rief ich eine Tierärztin aus der Nähe an und bat darum vorbei zu kommen. Diese war so freundlich dies auch zu tun.

So konnte Freddy zuhause sterben, die Tierärztin schläferte ihn ein und er ist in meinen Armen gestorben.

Ich habe ihm eine hölzerne Kiste gezimmert für seine letzte Ruhe. Sein Namensschild habe ich darauf befestigt und ihm seinen Ring den er nie getragen hat als sein einziges ganz persönliches Besitztum mitgegeben.



Er liegt nun unter einer alten Birke, ein schöner und schattiger Platz.

Er hat mich etliche Jahre meines Lebens begleitet, ein Freund wie es keinen besseren geben könnte. Er war nie schlecht gelaunt, hat mir zur Seite gestanden und mich getröstet wenn es mir mal nicht so gut ging und war ein Quell ständiger Freude.





 Ich werde ihn nie vergessen und es wird wohl sehr lange dauern bis ich über seinen Tod hinweg kommen werde.